Begutachtung

MD-Begutachtung vorbereiten: Checkliste, Ablauf und Tipps

Der Gutachtertermin entscheidet über Ihren Pflegegrad. Mit der richtigen Vorbereitung bekommen Sie die Einstufung, die Ihrer tatsächlichen Situation entspricht.

Ablauf der MD-Begutachtung

Die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD) oder Medicproof (bei Privatversicherten) findet in der Regel zu Hause statt. Typischer Ablauf:

  1. Ankündigung des Termins per Brief (ca. 2 Wochen vorher)
  2. Hausbesuch des Gutachters (Pflege- oder Medizinfachkraft), Dauer: 45–90 Minuten
  3. Bewertung in 6 Modulen nach dem NBA
  4. Schriftliches Gutachten (ca. 3–4 Wochen nach dem Termin)
  5. Pflegebescheid der Pflegekasse

Der Gutachter ist keine neutrale Instanz – er erstellt ein Gutachten für die Pflegekasse. Dennoch sind MD-Gutachter in der Regel sorgfältig. Das größte Risiko ist, dass die reale Alltagssituation nicht korrekt kommuniziert wird.

Checkliste: Was Sie vor dem Termin tun sollten

  • Pflegetagebuch führen – mindestens 2–4 Wochen vor dem Termin starten
  • Vertrauensperson einladen (Angehörige, Pflegeberater)
  • Arztbriefe, Befundberichte und Medikamentenliste bereitlegen
  • Liste der Hilfsmittel vorbereiten (Rollator, Rollstuhl, Haltegriffe, Inkontinenzprodukte)
  • Wohnung nicht aufräumen – Hilfsmittel müssen sichtbar sein
  • Aktuelle Diagnosen und ihren Alltagseinfluss aufschreiben
  • Nächtliche Pflegeeinsätze dokumentieren

Die goldene Regel: Schlimmsten typischen Tag schildern

Der wichtigste Grundsatz beim MD-Termin: Der Gutachter bewertet den typischen Alltag, nicht den Besuchstag. Viele Menschen zeigen beim Termin besondere Anstrengung oder beschreiben einen überdurchschnittlich guten Tag. Das ist ein häufiger Fehler.

Goldene Regel: Beschreiben Sie immer den schlechtesten typischen Tag, nicht heute. „An einem schlechten Tag kann meine Mutter ohne Hilfe nicht aufstehen" ist präziser als „Manchmal kommt sie alleine zurecht."

Wie der Gutachter bewertet: Die 4 Selbstständigkeitsstufen

Der Gutachter bewertet jede Aktivität auf einer Skala von 0 bis 3:

  • Stufe 0 – selbstständig: Kann die Aktivität ohne jede Hilfe, Anleitung oder Aufsicht ausführen
  • Stufe 1 – überwiegend selbstständig: Braucht gelegentlich Anleitung, Aufsicht oder minimale Hilfe
  • Stufe 2 – überwiegend unselbstständig: Braucht deutliche Hilfe, kann Teile aber noch selbst übernehmen
  • Stufe 3 – unselbstständig: Vollständige Übernahme durch andere Person nötig

Formulieren Sie entsprechend: Sagen Sie nicht „Ich mache es langsam" (das klingt nach Stufe 1), sondern „Ich kann es nicht alleine" oder „Ich benötige vollständige Übernahme" (Stufe 3).

Die 6 Module: Was geprüft wird

Der Gutachter bewertet Ihren Angehörigen in diesen 6 Modulen:

  1. Mobilität (10 % Gewicht) – Treppensteigen, Laufen, Positionswechsel
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (15 %) – Orientierung, Gedächtnis, Verstehen
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen (15 %) – Unruhe, Aggressivität, Angst, Schlafstörungen
  4. Selbstversorgung (40 %) – Waschen, Anziehen, Essen, Toilette
  5. Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen (20 %) – Medikamente, Verbandswechsel, Arztbesuche
  6. Gestaltung des Alltagslebens (15 %) – soziale Kontakte, Tagesstruktur

Was nach dem Termin passiert

Nach dem Besuch erstellt der Gutachter sein Gutachten und schickt es an die Pflegekasse. Die Pflegekasse entscheidet dann über den Pflegebescheid. Das dauert in der Regel 5 Wochen nach Antragstellung (bei Krankenhausaufenthalt: 2 Wochen).

Fordern Sie das Gutachten aktiv an – es liegt dem Bescheid nicht automatisch bei. Wenn die Einstufung zu niedrig ist: Widerspruch einlegen.

Häufige Fragen zur MD-Begutachtung

Wie lange dauert eine MD-Begutachtung?

Eine MD-Begutachtung zu Hause dauert in der Regel 45 bis 90 Minuten. Der Gutachter bewertet dabei alle 6 Module des NBA und führt ein Gespräch über die Alltagssituation.

Was sollte man beim MD-Termin nicht sagen?

Vermeiden Sie Formulierungen wie „Ich mache es halt langsam" oder „An guten Tagen geht es noch". Der MD bewertet den typischen Alltag. Schildern Sie immer den schlechtesten typischen Tag, nicht den Besuchstag.

Darf eine Vertrauensperson dabei sein?

Ja. Sie dürfen eine Vertrauensperson als Beobachter einladen. Diese sollte Notizen machen, aber das Gespräch nicht aktiv unterbrechen, es sei denn, der Gutachter spricht sie an.

Soll man die Wohnung aufräumen?

Nein. Räumen Sie die Wohnung nicht auf. Hilfsmittel wie Rollator, Badewannengriff, Haltestangen und Pflegeunterlagen sollten sichtbar sein – sie belegen den tatsächlichen Unterstützungsbedarf.

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