Wer ist der MD-Gutachter?
MD-Gutachter sind speziell ausgebildete Pflegefachkräfte oder Ärzte, die im Auftrag des Medizinischen Dienstes (MD) Hausbesuche durchführen. Bei Privatversicherten übernimmt diese Aufgabe Medicproof. Sie sind verpflichtet, neutral nach dem Neuen Begutachtungsassessment (NBA) zu bewerten.
Was der Gutachter prüft: Die 6 Bereiche
- Mobilität: Gehen, Aufstehen, Treppensteigen, Lagewechsel im Bett
- Kognition: Orientierung, Erinnerung, Entscheidungsfindung, Kommunikation
- Verhalten: Unruhe, Aggression, Schlafstörungen, Weglaufen (besonders bei Demenz)
- Selbstversorgung: Waschen, Ankleiden, Essen, Trinken, Toilettengang
- Therapiemaßnahmen: Medikamente, Injektionen, Verbandswechsel, Arztbesuche
- Alltagsgestaltung: Tagesstruktur, soziale Kontakte, bedeutungsvolle Aktivitäten
Für jede Aktivität vergibt der Gutachter einen Wert von 0 (selbstständig) bis 3 (unselbstständig). Die Selbstständigkeitsbewertung ist entscheidend – nicht Zeit oder Schmerz.
Beobachtung und Befragung
Der Gutachter kombiniert direkte Beobachtung mit gezielten Fragen. Er beobachtet die Wohnsituation, vorhandene Hilfsmittel, die Mobilität beim Einlass und achtet auf Verhaltensweisen. Er fragt sowohl die pflegebedürftige Person als auch die anwesenden Angehörigen.
Dos: Was Punkte bringt
- ✅ Alle Einschränkungen offen und konkret benennen
- ✅ Pflegetagebuch bereithalten und vorlegen
- ✅ Vertrauensperson (Angehörige, Pflegeperson) dabeihaben
- ✅ Hilfsmittel sichtbar im Zimmer lassen (Rollator, Greifzange, Inkontinenzartikel)
- ✅ Über den schlechtesten typischen Tag sprechen
- ✅ Auf NBA-Sprache achten: „Ich kann das nicht alleine" → Punkte
Don'ts: Was Punkte kostet
- ❌ „Ich mache es halt langsamer" → zählt als selbstständig
- ❌ „An guten Tagen geht es noch" → Gutachter bewertet den guten Tag
- ❌ Hilfsmittel wegräumen oder verstecken
- ❌ Wohnung übermäßig aufräumen (vermittelt falschen Eindruck)
- ❌ Einschränkungen aus Scham verschweigen
Sprache entscheidet: „Ich brauche dabei Hilfe" → Punkte. „Ich kann es, nur langsam" → keine Punkte. Der Gutachter bewertet Selbstständigkeit, nicht Zeitaufwand.
Ihr Recht beim Gutachterbesuch
Sie dürfen jederzeit eine Person Ihres Vertrauens beim MD-Termin dabeihaben – ein Angehöriger, Pflegeberater oder Freund. Diese Person kann ergänzen und korrigieren, wenn die Angaben zu positiv ausfallen.
Häufige Fragen zum Gutachter
Kann ich den Gutachter ablehnen oder wechseln?
Sie können keinen bestimmten Gutachter verlangen, aber Sie haben das Recht, eine Vertrauensperson dabeizuhaben. Bei ernsthaften Zweifeln an der Neutralität des Gutachters können Sie dies im Widerspruch geltend machen.
Wie lange dauert der Gutachterbesuch?
Der Hausbesuch dauert in der Regel 45–90 Minuten. Komplexere Fälle (z. B. Demenz mit vielen Verhaltensauffälligkeiten) können länger dauern.
Was passiert wenn der Gutachter einen guten Tag erwischt?
Sprechen Sie aktiv an, dass es ein überdurchschnittlich guter Tag ist: „Heute ist ein besserer Tag als üblich – normalerweise..." Legen Sie das Pflegetagebuch vor, das den typischen Alltag dokumentiert.
Bekomme ich das Gutachten zugeschickt?
Das Gutachten ist nicht automatisch dabei. Sie müssen es aktiv bei der Pflegekasse anfordern (Akteneinsicht nach § 25 SGB X). Fordern Sie es immer an – es ist die Grundlage für einen eventuellen Widerspruch.
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